Borderline-Persönlichkeitsstörung

 
Definition

Borderline bedeutet übersetzt:

  • Grenzlinie
  • Abgrenzung
  • Grenzbereich
  • Auf der Grenze liegend

Laut klinischer Definition gehört Borderline zu den Persönlichkeitsstörungen. Man spricht daher von einer (emotional instabilen) Persönlichkeitsstörung, Borderline Typ, oder auch einfach von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Der Begriff als solcher stammt aus dem Jahre 1938 und wurde von Adolf Stern für eine Grenzlinie zwischen Psychose und Neurose verwendet.

Otto Kernberg prägte 1980 dann den Begriff der Persönlichkeitsstörung, beziehungsweise der Borderline Organisation, was im Rahmen der Psychoanalyse wohl mehr ein psychologisches Konstrukt bedeutet, das eine Vielzahl von schwierigen Verhaltensweisen zusammenfasst. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere Persönlichkeitsstörung, die sich durch sehr wechselhafte Stimmungen, gestörte zwischenmenschliche Beziehungen, mangelndes Selbstvertrauen und autoaggressive Verhaltensweisen äussert. Diese Instabilitäten ziehen oft das persönliche Umfeld in Mitleidenschaft und beeinträchtigen so Alltag, langfristige Lebensplanung und das Selbstbild.

Borderline ist ein Leben, welches ständig irgendwie mit Grenzen zu tun hat. Borderline bedeutet 'Grenzgänger'. Die Grenze zu was? Die Grenze zwischen 'normalem und nicht-normalem'. Die Grenze zwischen normal und psychotisch. Aber nicht nur das, wenn wir bedenken, dass sich in unserem Leben vieles ständig um Grenzen dreht. Die eigenen Grenzen, körperlicher und psychischer Natur. Erkennen wir sie? Beachten wir sie? Übertreten wir sie? Die Grenzen anderer: Erkennen wir sie, beachten oder übertreten wir sie?

 
Entstehung und Hintergründe

Wissenschaftler streiten sich nach wie vor darüber, ob die Entstehung ausschliesslich im Kleinkindalter möglich ist, oder nicht. Genauso ist nicht klar belegt, ob Trauma Ursachen für Borderline in Frage kommen oder nicht. Es gibt, laut manchen Wissenschaftlern 4 verschiedene Positionen unter Wissenschaftlern

  • Die ignorierende Position: Sie besagt, dass dissoziative Störungen als Unterform der Borderlinestörung betrachtet werden. Das würde bedeuten, dass Borderline die Grundstörung wäre und dissoziative Symptome eine mögliche Folge dieser Persönlichkeitsstörung. Dann wäre die dissoziative Identitätsstörung (DIS) eine Unterart der Borderline Störung.
  • Die differenzierende Position: Bei ihr gelten Borderline und DIS grundsätzlich als 2 unterschiedliche Störungen, zwischen denen es jedoch auch Mischformen geben kann. Diese Ansicht wird durch folgende Beobachtung gestützt: bei den Symptomatiken sind Mischformen zwischen BPS und DIS sehr häufig in der Praxis beobachtet worden. Anmerkung: diese Position geht davon aus, dass es sich um 2 grundverschiedene Störungen handelt, die jedoch so ähnliche Symptome ausbilden, dass man beide Störungen mit Hilfe der psychiatrischen Diagnostik u.U. gar nicht sauber unterscheiden kann! Einige Vertreter dieser Gegenposition zu 1. gehen sogar so weit, die dissoziativen Störungen als Hauptkategorie und Borderline als Unterkategorie innerhalb der dissoziativen Störungen aufzufassen.
  • Die Position vollkommen verschiedener Störungen: Demnach sind Borderline und dissoziative Störungen zwei unterschiedliche Störungen, die gar nichts miteinander zu tun haben. Deshalb gibt es auch keine Mischformen, sondern nur zwei verschiedene Krankheiten, die jedoch auch gleichzeitig auftreten können (Co-Morbidität).
  • Die Position einer chronifizierten Belastungsstörung: Diese Position geht davon aus, dass die sehr grosse gemeinsame Schnittmenge von Borderline- und DIS-artigen Patienten durch lange andauernden (post-)traumatischen Stress entstanden ist. Beide Störungsbilder sind demnach Folge einer chronifizierten PTBS (PTBS = Posttraumatische Belastungsstörung, chronifizierte PTBS = langfristige Spätfolge einer unbehandelten / unverarbeiteten akuten PTBS), die die eigentliche Grundstörung darstellt.

Demnach sind Borderline und DIS keine zwei verschiedenen Störungen. Im Gegenteil, es handelt sich bei beiden um besondere Ausprägungs-Formen von Trauma-Folgen. Einige Vertreter dieser Richtung fordern sogar, die Leitdiagnose 'Borderline' als Persönlichkeitsstörung ganz aufzugeben und lediglich als genauer beschreibende Zusatzdiagnose bei einer chronifizierten Belastungsstörung zu vergeben