Hier handelt es sich um aggressive, religiöse, obszöne, sexuelle oder sinnlose Gedanken, Impulse, Vorstellungen oder Bilder, die der Betroffene hat, nicht kontrollieren oder abstellen kann und die extreme Ängste auslösen. Dies kann beispielsweise die Vorstellung sein, jemanden körperlich anzugreifen, zu missbrauchen, umzubringen, häufig richten sich diese Vorstellungen auch gegen nahestehende Personen, beispielsweise den Partner oder die Kinder oder gegen die eigene Person.
Ebenfalls in diesen Bereich fällt, sich schlimme Erkrankungen oder Unfälle immer wieder und in allen Details auszumalen. Weitere Beispiele: blasphemische Gedanken. Angst, gesellschaftliche Regeln und Tabus zu brechen, Zwangsimpulse. Zwangsgedanken können sich auch in der ständigen Angst äussern, jemanden versehentlich verletzt zu haben, ihn beispielsweise angerempelt und umgeworfen oder mit dem Auto angefahren oder überfahren zu haben, dies wird dann immer wieder kontrolliert, die Gedanken lassen sich von diesen Vorstellungen nicht losreissen. Laut wissenschaftlichen Studien werden aggressive Zwangsvorstellungen praktisch nie tatsächlich ausgeführt, es gibt Studien, aus denen hervorgeht, dass die Betroffenen sogar weniger aggressionsbereit sind als andere.
Zwangsstörungen stehen bei der Häufigkeit von psychischen Erkrankungen an vierter Stelle, 1-2 Prozent der Bevölkerung, was etwa einer Million Deutscher entspricht, leiden darunter.
Männer und Frauen sind gleichermassen von dieser Erkrankung betroffen, jedoch sind Kontrollzwänge häufiger bei Männern und Waschzwänge häufiger bei Frauen zu finden.
In circa 50 Prozent der Fälle treten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gleichzeitig auf.
Der Ausbruch ist meist im frühen Erwachsenenalter.
Es handelt sich um eine Zwangserkrankung, wenn die Betroffenen stark darunter leiden, den inneren Drang zu bestimmten Gedankengängen oder Handlungen nicht kontrollieren können, das Leben stark davon beeinträchtigt wird, viel Zeit und Energie verbraucht werden.
Zwar wissen die Betroffenen, dass die Verhaltensweisen unsinnig sind, jedoch stellen sich beim Unterdrücken Ängste ein, damit etwas Schlimmes, eine Katastrophe, ein Unglück auszulösen. Häufig erinnern die Denkmuster, Rituale oder Stereotypien an Aberglauben, Magie, magische Handlungen. Beispiel: Der Betroffene hat die Vorstellung, dass jemandem etwas zustösst, wenn er bestimmte Handlungen nicht nach einem festen Ablauf erledigt, Dinge nicht zählt oder in bestimmter Anzahl ausführt, auf etwas verzichtet, Gegenstände verrückt oder in festgelegten Mustern anordnet, wenn er auf Kachelfugen tritt und ähnliches.
Diese Prozeduren werden dann angewandt, um das Unglück, den Unfall, Krankheit oder Tod von der Person abzuwenden, sie dienen also als Mechanismen um Ängste abzuwehren, jedoch manifestieren sich mit dem Ausführen und Vermeiden die Zwänge und Zwangsgedanken immer mehr.
Oftmals folgt der Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Meist gehäuftes Auftreten bei psychischen Stress und Belastungen. In der Folge häufig Unsicherheiten, Unentschlossenheit, Scham und Verlust des Selbstwertgefühls, Angst verrückt zu sein, die Verhaltensweisen anderen gegenüber nicht erklären zu können. Hierzu trägt das Unverständnis Nichtbetroffener ebenso bei wie mangelnde Informationen über die Erkrankung, häufig wissen auch die Betroffenen selbst zu wenig darüber.
Häufig treten Zwangsstörungen in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen auf, beispielsweise Depressionen, Angsterkrankungen, Phobien.
Nicht völlig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie einschneidende, prägende Erlebnisse, Unsicherheiten in der Kindheit (beispielsweise sehr feste Regeln, die keinen Raum für eigene Vorstellungen lassen, verbunden mit Angst vor Strafen oder ein Umfeld ohne Regeln beziehungsweise verlässlichen Punkten, die Sicherheit und Orientierung geben). Weitere mögliche Ursachen sind erbliche Faktoren und Hirnstoffwechselstörungen.
Verhaltenstherapie, eventuell kombiniert mit Medikamenten. Möglicherweise daran anschliessend tiefenpsychologische Therapie. Unterstützend können sich auch Entspannungstechniken wie beispielsweise autogenes Training auswirken.