Zwang

 
Definition

Den Betroffenen drängen sich Gedanken und / oder Handlungen auf, die sie nicht kontrollieren können. Durch bestimmte Gedanken oder Handlungen soll etwas abgewehrt werden, Zwänge sind eng verbunden mit Ängsten. Kommt ein Betroffener diesen Gedanken / Handlungen nicht nach, stellen sich massive Ängste ein, durch dieses 'Unterlassen" etwas Negatives / Schlimmes auszulösen. Zwänge haben häufig extreme Auswirkungen auf den Alltag der Patienten, schränken sie teilweise massiv in ihrem Leben ein.

 
Zwei Arten von Zwängen

Man unterscheidet Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, die einzeln oder auch zusammen auftreten können.

 
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist hiervon abzugrenzen, das sie nicht zu diesem Krankheitsbild zählt.

 
Auftreten von Zwangsstörungen

Zwangsstörungen stehen bei der Häufigkeit von psychischen Erkrankungen an vierter Stelle, 1-2 Prozent der Bevölkerung, was etwa einer Million Deutscher entspricht, leiden darunter.

 
Geschlechtsspezifische Unterschiede

Männer und Frauen sind gleichermassen von dieser Erkrankung betroffen, jedoch sind Kontrollzwänge häufiger bei Männern und Waschzwänge häufiger bei Frauen zu finden.

 
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen

In circa 50 Prozent der Fälle treten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gleichzeitig auf.

 
Beginn der Erkrankung

Der Ausbruch ist meist im frühen Erwachsenenalter.

 
Zwangserkrankung

Es handelt sich um eine Zwangserkrankung, wenn die Betroffenen stark darunter leiden, den inneren Drang zu bestimmten Gedankengängen oder Handlungen nicht kontrollieren können, das Leben stark davon beeinträchtigt wird, viel Zeit und Energie verbraucht werden.

 
Auswirkung einer Zwangserkrankung

Zwar wissen die Betroffenen, dass die Verhaltensweisen unsinnig sind, jedoch stellen sich beim Unterdrücken Ängste ein, damit etwas Schlimmes, eine Katastrophe, ein Unglück auszulösen. Häufig erinnern die Denkmuster, Rituale oder Stereotypien an Aberglauben, Magie, magische Handlungen. Beispiel: Der Betroffene hat die Vorstellung, dass jemandem etwas zustösst, wenn er bestimmte Handlungen nicht nach einem festen Ablauf erledigt, Dinge nicht zählt oder in bestimmter Anzahl ausführt, auf etwas verzichtet, Gegenstände verrückt oder in festgelegten Mustern anordnet, wenn er auf Kachelfugen tritt und ähnliches.

Diese Prozeduren werden dann angewandt, um das Unglück, den Unfall, Krankheit oder Tod von der Person abzuwenden, sie dienen also als Mechanismen um Ängste abzuwehren, jedoch manifestieren sich mit dem Ausführen und Vermeiden die Zwänge und Zwangsgedanken immer mehr.

 
Mögliche Folgen einer Zwangserkrankung

Oftmals folgt der Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Meist gehäuftes Auftreten bei psychischen Stress und Belastungen. In der Folge häufig Unsicherheiten, Unentschlossenheit, Scham und Verlust des Selbstwertgefühls, Angst verrückt zu sein, die Verhaltensweisen anderen gegenüber nicht erklären zu können. Hierzu trägt das Unverständnis Nichtbetroffener ebenso bei wie mangelnde Informationen über die Erkrankung, häufig wissen auch die Betroffenen selbst zu wenig darüber.

 
Auftreten von Zwängen mit anderen Störungen

Häufig treten Zwangsstörungen in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen auf, beispielsweise Depressionen, Angsterkrankungen, Phobien.

 
Ursachen von Zwangserkrankungen

Nicht völlig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie einschneidende, prägende Erlebnisse, Unsicherheiten in der Kindheit (beispielsweise sehr feste Regeln, die keinen Raum für eigene Vorstellungen lassen, verbunden mit Angst vor Strafen oder ein Umfeld ohne Regeln beziehungsweise verlässlichen Punkten, die Sicherheit und Orientierung geben). Weitere mögliche Ursachen sind erbliche Faktoren und Hirnstoffwechselstörungen.

 
Therapiemöglichkeiten

Verhaltenstherapie, eventuell kombiniert mit Medikamenten. Möglicherweise daran anschliessend tiefenpsychologische Therapie. Unterstützend können sich auch Entspannungstechniken wie beispielsweise autogenes Training auswirken.