Winterdepression

 
Definition

Lichtdefizite sind der Auslöser von SAD (seasonal affective disorder), auch als Winterdepression bezeichnet. Wie schon der Name sagt, tritt diese Depressionsform ausschliesslich in den Wintermonaten auf, wenn das Tageslicht reduziert ist. Typische Anzeichen sind Energielosigkeit, gedrückte Stimmung, eingeschränkte Libido, Traurigkeit, Heisshunger (insbesondere auf Süsses), Leistungsminderung, Schlafstörungen, Müdigkeit, gestörtes Selbstwertgefühl. In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen betroffen.

 
Wirkungen von Licht auf die Psyche

Heute ist erwiesen, dass unsere Psyche und Gesundheit erheblich vom Licht beeinträchtigt werden. Der circadiane Rhythmus des Menschen wird vom Tageslicht gesteuert. Unter circadianem Rhythmus versteht man den inneren Rhythmus, von dem auch der Schlaf-Wach-Rhythmus gelenkt wird.

 
Mangel an Tageslicht

Ein Mangel an Tageslicht kann zu zahlreichen Störungen führen, beispielsweise Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Beeinträchtigung der Sehleistung, Appetitveränderungen, Konzentrationsproblemen und Calciummangel. Damit Calcium absorbiert werden kann, ist Vitamin D erforderlich, das teilweise über die Nahrung aufgenommen wird, sich aber auch in der Haut bildet, wobei das Licht eine Rolle spielt. Ob Licht auch bei der Entstehung von Krebserkrankungen von Bedeutung ist, wird noch untersucht.

 
Hormone

Wenn in den Wintermonaten die Tage deutlich kürzer sind und das Tageslicht weniger intensiv, dann steigt der Melatoninspiegel, da Tageslicht die Bildung von Melatonin hemmt. Melatonin ist ein Hormon, das in der Epiphyse (Zirbeldrüse) aus Serotonin entsteht. Serotonin ist ein Neurotransmitter (Botenstoff im Gehirn). Auch andere Hormone wie Östrogen und Kortisol (Stresshormon) werden beeinflusst. Wird mehr Melatonin ausgeschüttet, können in der Folge davon Veränderungen des Schlafbedürfnisses und Winterdepressionen auftreten.

 
Unterschied zwischen Tageslicht und künstlichem Licht

Licht im Vergleich: Wie gross die Lichtunterschiede sind, verdeutlichen folgende Zahlen. Während an sonnigen Tagen 100.000 Lux gemessen werden, erreichen die Werte bei bewölktem Himmel nur noch 8.000 Lux. In Innenräumen sind hingegen nur etwa 500 Lux messbar.

 
Hilfen bei Winterdepression

Bei SAD wird häufig die Lichttherapie eingesetzt. Hierbei wird helles Kunstlicht eingesetzt, das in der Regel 20 bis 60 Minuten über die Netzhaut aufgenommen wird. Hierdurch wird der Melatoninspiegel, der im Winter auch tagsüber erhöht ist, gesenkt. Die Lichttherapie wird auch in anderen Bereichen eingesetzt, wie beispielsweise bei Hauterkrankungen, Schlafstörungen, Jet-lag, jahreszeitunabhängigen Depressionen. Licht soll zudem blutdruck- und cholesterinsenkend wirken, einen positiven Effekt auf Immunsystem, Kalzium- und Phosphathaushalt haben.

 
Synonyme

Seasonal affective disorder