Der Partner soll mit einer Ankündigung, Drohung (nicht mehr mit ihm zu sprechen, keine Zärtlichkeiten mehr zuzulassen ...) dazu gezwungen werden, sich wunschgemäss zu verhalten oder aber dazu gebracht werden, unerwünschtes Verhalten zu unterlassen. Mitunter soll der Partner gefügig gemacht werden mit der Methode, ihm Schuldgefühle zuzuschieben, zum Beispiel mit Formulierungen wie "Wenn du mich lieben würdest, dann ...", "Wenn du nicht immer nur an dich denken würdest ..." oder "Du liebst mich nicht".
Hier gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Ein Beispiel dafür sind Sätze in der Art "Wenn du nicht ..., dann ....".
Es wird ein schlechtes Gewissen erzeugt, beispielsweise dadurch, dass man auf eigenen Verzicht oder 'Opfer' hinweist oder aber Pflichten, Versprechungen und ähnliches ins Spiel gebracht werden. Beispiele hierfür können sein "Weil du dich nicht darum kümmerst, muss ich nun wieder ...", "Ich werde schon irgendwie alleine zurechtkommen", "Wenn ich nun wieder Magenschmerzen bekomme, dann ist das deine Schuld" oder "Kein Wunder, dass es mir nun schlecht geht, bei deinem Verhalten ...". Dies passiert nicht immer mit offenen Formulierungen, aus denen hervorgeht, worum es geht, sondern oft deutlich subtiler. Sätze wie: "Ich schaffe das schon selbst", werden begleitet von anklagenden Blicken, Leidensmiene oder gequältem Tonfall.
Die Druckmittel bei emotionalen Erpressungen können sehr unterschiedlich und extrem sein, es werden Tränen eingesetzt, es wird versucht, mit Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen (zum Beispiel Vorwurf von Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Desinteresse) etwas zu erreichen, mitunter wird damit gedroht, dass der Partner die gemeinsamen Kinder nicht sehen darf, die Kinder darüber aufgeklärt werden, 'was er für ein Mensch ist', es werden Trennungsabsichten oder sogar Suizide angekündigt.
Man kann emotionale Erpressung als eine Art Manipulation (lateinisch = Kunstgriff, Handgriff) bezeichnen. Es wird gezielt, aber verdeckt Einfluss genommen, das Verhalten des Partners wird gesteuert. Man handelt (wenn die emotionale Erpressung Erfolg hat) also nicht aus eigener Überzeugung, sondern wird fremdbestimmt. Dass in der Folge davon negative Emotionen auftreten, ist nicht überraschend.
Es kann hilfreich sein, sich klar zu machen, dass uns der Partner sehr genau kennt und folglich unsere Reaktionen gut abschätzen kann. Diese Verhaltensmuster kann er sich in diesem Zusammenhang zunutze machen.
Beeinflussung findet zum grössten Teil durch die Ausstrahlung, die Persönlichkeit statt, ein weiterer grosser Teil wird durch die Stimme (Tonfall, Stimmlage, Überzeugung darin) bewirkt. Den kleinsten Anteil hat die Aussage an sich. Ebenfalls werden wir durch ständiges Wiederholen beeinflusst, dies funktioniert ähnlich wie die Autosuggestion. Beeinflussung hat mit Information und Desinformation zu tun. Desinformation kann sein, Sachen zu übertreiben, wegzulassen, zu verdrehen. Das Wort 'Information' ist interessanterweise vom lateinisch 'in formare = etwas formen' abgeleitet.
Eines der Hauptprobleme bei Krisen in der Partnerschaft ist die gestörte Kommunikation. Sachliche Gespräche oder Diskussionen sind oft nicht mehr möglich. Häufig geht es nicht mehr darum, Konflikte zu lösen, Wünsche oder Bedürfnisse zu formulieren, sondern nur noch darum, Recht zu haben, zurückzuschlagen, sich möglicherweise für Verletzungen zu revanchieren. Manchmal dienen Äusserungen dann nur noch als 'Waffe', um den Partner zu verletzen. Es wird negativ formuliert, beispielsweise enthalten Sätze Formulierungen wie "Das war ja absehbar", "Schon wieder", "immer", "nie" oder "ich habe von dir nichts anderes erwartet".
Aber nicht nur mit Worten kommunizieren wir, sondern auch nonverbal: mit Gestik, Mimik und Körperhaltung. Oft ist dann eine Inkonsistenz zwischen verbalem und nonverbalem Ausdruck zu beobachten, sprich: die Worte sagen etwas völlig anderes aus als Mimik, Gestik oder Tonfall und Stimmlage. Ein Beispiel: Ein 'Lob' für eine Leistung des Partners wird ausgesprochen – begleitet wird dies jedoch von einem abfälligen Tonfall und geringschätzigem Lächeln. Die nonverbale Botschaft könnte also in etwa übersetzt werden mit "Na, wenigstens das hast du geschafft. Es war so einfach, dass sogar du es bewältigen konntest." Es gibt aber auch die umgekehrte Variante: Unser Partner sagt uns etwas, das positiv ist – und meint das auch so. Wir interpretieren es aber so, dass uns die Aussage negativ oder bestenfalls gleichgültig vorkommt.
Zunächst einmal sieht er sich einer 'Zwickmühle' aus scheinbar nur zwei Möglichkeiten gegenüber: Dennoch das zu tun, was er möchte, sich den eigenen Vorstellungen entsprechend zu verhalten und sich nicht erpressen zu lassen, dies jedoch mit ziemlicher Sicherheit mit einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen 'zu bezahlen'. Oder aber, den Forderungen des Partners nachzugeben, auf eigene Wünsche oder Bedürfnisse zu verzichten, Dinge aufzugeben, mehr Aufgaben zu übernehmen. In der Folge davon abzuwägen: Ist mir das, was ich mir gerade wünsche, so wichtig, dass es mir die Folgen (wieder die gleichen Auseinandersetzungen, Schmollen ...) wert ist?
Möglicherweise Zurückstecken, Verzicht, sich in Versprechungen (die man eigentlich gar nicht machen will) hineindrängen lassen. Aufgabe von Hobbys, eigenen Bereichen, Freundschaften beginnen darunter zu leiden und gehen eventuell sogar dabei kaputt. Versuche, die daraus entstehenden negativen Gefühle damit zu kompensieren, dass man sich einredet, der jeweilige Verzicht sei gar nicht so schlimm, die Wünsche oder eigenen Bedürfnisse nicht so wichtig.
Passiert dies häufiger, dass man sich immer wieder zu Dingen drängen lässt, die man eigentlich gar nicht will, ist man sich unter Umständen irgendwann selbst nicht mehr über seine eigenen Bedürfnisse klar. Es stellen sich Unsicherheiten ein, man ist unglücklich, macht dem Partner (bewusst oder unbewusst) einen Vorwurf daraus, Gefühle erkalten, in Extremfällen stellen sich neben Wut, Aggressionen und Hilflosigkeit vielleicht sogar Hassgefühle gegenüber dem Partner ein. Zudem Resignation, Rückzug, eine Art 'Flucht' in Arbeit, um einem Zusammensein mit dem Partner und den eigenen Gedanken und Gefühlen auszuweichen. Weiterhin keine Gesprächsbereitschaft mehr, weil mit Einsicht des Partners und Lösungen nicht mehr gerechnet wird und man keine weiteren Auseinandersetzungen dieser Art durchstehen will. Immer weitere Verletzungen, das Gefühl eingeengt zu werden, Rückzug in sich selbst, das Gefühl ständig Fehler zu machen, sich fragen ob man wirklich so egoistisch ist und möglicherweise irgendwann davon überzeugt sein, Verschlossenheit, Nachlassen des sexuellen Interesses. Es kann auch zu psychosomatischen Beschwerden und psychischen Störungen in der Folge kommen, wenn diese Belastungen dauerhaft sind. Gegenseitiges 'Aufrechnen' und Vorhalten, was wer wann gesagt hat, für sich in Anspruch nimmt oder an Aufgaben erledigt. Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Lebensfreude leiden darunter, innere Leere kann sich einstellen.
Sich zunächst einmal mit sich selbst beschäftigen und herausfinden, warum diese Erpressungen so auf einen wirken. Liegt wirklich nur daran, dass man Angst hat, die Gefühle des Partners zu verletzen? Oder spielen nicht vielleicht Gründe, die in einem selbst liegen, eine Rolle. Es kann hilfreich sein, das eigene Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Kritikfähigkeit, Durchsetzungsvermögen genauer zu betrachten – und bei Defiziten gezielt daran zu arbeiten, nötigenfalls mit Hilfe einer Psychotherapie (Verhaltens- oder Gesprächstherapie). Die eigenen Gefühle, Bedürfnisse, mögliche Ängste und Unsicherheiten unter die Lupe nehmen: Habe ich Angst vor dem Verlust der Zuneigung des Partners, vor einer Trennung oder machen mir die damit verbundenen Veränderungen oder Ungewissheit der Zukunft Angst? Die Wahrscheinlichkeit der Befürchtungen prüfen, sie gedanklich durchspielen. Prüfen, ob man Gefühle schlecht zeigen und / oder in Worte fassen kann. Ein fehlendes oder geringes Selbstwertgefühl kann zu Konfliktscheu, schnellem Rückzug, grösserer Verletzbarkeit, dem Überschätzen anderer und Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung und Durchsetzung eigener Rechte führen.
Wie sehen die eigenen Wertvorstellungen aus, spielt die Erziehung eine Rolle? Untersuchen, ob die eigenen Wünsche wirklich überzogen sind oder nicht eher völlig in Ordnung? In dem Zusammenhang ist es wichtig, weiterhin Freunde zu treffen. Dadurch wird das Bild von der eigenen Person wieder in ein anderes Licht gerückt, man sieht, dass man 'so furchtbar' gar nicht ist, wie es der Partner möglicherweise rüberbringt. Vorwürfe prüfen: Hat man wirklich Fehler gemacht? Wenn das so ist, sie eingestehen, sich dafür entschuldigen und sie in Zukunft vermeiden, jedoch nicht sich selbst ewig Vorwürfe deshalb machen. Sehr ehrlich prüfen, wie es um die Gefühle dem Partner gegenüber bestellt ist und ob man tatsächlich an der Beziehung an sich noch interessiert ist (und nicht etwa aus Gewohnheit bleibt oder wegen Zukunftsängsten). Sich bewusst machen, dass man nur erpressbar ist, wenn man es selbst zulässt. Es kann sinnvoll sein, sich Begriffe wie Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung klarzumachen. Ein weiterer Schritt kann es sein, an der gestörten Kommunikation zu arbeiten. Hierbei ist es wichtig, ruhig und sachlich zu diskutieren und beim tatsächlichen Konflikt zu bleiben. Beispielsweise macht es keinen Sinn, Dinge aus der Vergangenheit auszugraben und dem Partner vorzuhalten, in der Art "Du hast Ostern 1995 ...". Die Gespräche sollten zeitnah erfolgen, das 'Ansammeln' von Problemen verschärft die Situation zusätzlich. Dem Partner wirklich zuhören (und nicht vielleicht stattdessen schon das nächste Argument formulieren), ihn aussprechen lassen, bei Unklarheiten gezielt Fragen stellen.
Häufig ist es bei Paaren so (besonders bei langjährigen Beziehungen), dass sie auch im negativen Sinne 'ein eingespieltes Team' sein können, dass auf immer wieder die gleichen Signale in Gesprächen auch regelmässig die gleichen Reaktionen folgen. Gespräche dieser Art sollten nicht mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen geführt werden. Hilfreich ist es, auf die Formulierungen zu achten, statt Sätze anzufangen mit: "Du hast ...", "Weil du ...", "Wenn du nicht immer ... würdest ..." besser die eigene Person betreffend argumentieren, die eigenen Wünsche, Bedürfnisse formulieren, beschreiben, wie man sich fühlt, wie Dinge sich auswirken. Beispielsweise "Ich fühle mich ...", "Mir ist es wichtig ...", "Mich verletzt ...", "Ich wünsche mir ...". Im Gespräch die Vorstellungen beider Partner herausfinden, Kompromisse suchen, klar formulieren, wozu man bereit ist und wozu nicht. Dazu gehört auch, deutliche Grenzen zu ziehen und dann auch konsequent auf deren Einhaltung zu bestehen: Dass man zu Kompromissen bereit ist, nicht aber dazu, sich völlig verändern / umformen zu lassen und auf Dinge zu verzichten, die einem wichtig sind.
Mitunter kann in Beziehungen auch die Rollenverteilung zum Problem werden. So kann es passieren, dass versucht wird, sich aus 'alter Rollenverteilung' und Emanzipation jeweils die angenehmen Dinge herauszupicken, die damit verbundenen Nachteile aber nicht übernehmen zu wollen. Auch hier sind klare Regeln sinnvoll.
Auf nonverbale Zeichen achten, genau beobachten: ist der Partner selbst wirklich überzeugt von dem, was er da gerade sagt? Sind Unsicherheiten erkennbar oder vielleicht sogar, dass er selbst im Grunde genommen sehr genau weiss, dass es nicht Ordnung ist, was er da gerade macht? Welche Reaktionen versuchen durch Provokationen herausgefordert zu werden und warum? Soll vielleicht von etwas anderem abgelenkt werden? Was sind die Gründe des Partners, sich so zu verhalten? Versucht er, sich für Verletzungen 'zu rächen'? Fehlt ihm etwas in der Beziehung? Fühlt er sich nicht geliebt, fehlt es ihm an Aufmerksamkeit oder Anerkennung? Hat er das Gefühl, nicht wichtig zu sein, vernachlässigt zu werden? Fühlt er sich unverstanden oder nicht genügend unterstützt? Ist er eifersüchtig und falls ja: gibt es dafür Gründe? Hat der Partner unrealistische, überzogene Vorstellungen und Erwartungen? Hat er Angst vor Verlust? Spielen Probleme, die nichts mit der Beziehung an sich zu tun haben, eine Rolle?
Beide Partner sollten sich darüber klar sein, dass Krisen in Partnerschaften nicht ungewöhnlich sind und nicht zwingend das Ende der Beziehung bedeuten müssen. Es ist jedoch unverzichtbar, an der Beziehung zu arbeiten, sie zu pflegen. Ebenfalls sollte beachtet werden, dass Menschen sich im Laufe ihres Lebens entwickeln und folglich auch verändern. Dies kann zu Problemen führen, wenn der Partner dann in manchem anders ist als zu Beginn der Beziehung oder wenn sich die Partner in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Es muss beiden Partnern klar sein, dass Lösungen nur gemeinsam gefunden werden können, nur wenn beide bereit sind, etwas für die Beziehung zu tun und Kompromisse einzugehen, kann die Beziehung dauerhaft so funktionieren, dass beide sich darin wohl fühlen.
Ganz wichtig: Respekt und Achtung vor dem Partner, seinen Vorstellungen, seiner Meinung, seinen Leistungen und Zielen. Akzeptanz, sowohl seine Interessen, Hobbys, Freunde oder seinen Geschmack betreffend, als auch seinen Fehlern und Schwächen gegenüber. Verständnis für den Partner haben, ihn unterstützen und ermutigen, ihm das Gefühl vermitteln liebenswert zu sein. Gefühle zeigen und auch aussprechen. Freiräume für beide Partner, aber Zeit zu zweit und gemeinsame Unternehmungen. Und gerade in Krisenzeiten vielleicht gemeinsam die schönen Zeiten der Beziehung, das Kennen lernen und die Anfangszeit noch mal aufleben lassen.
Im Zusammenhang mit nonverbalen Botschaften ist folgendes wissenswert: Wenn wir berücksichtigen, dass wir mit den Augen pro Sekunde etwa 10.000.000 Bit aufnehmen können, mit den Ohren jedoch pro Sekunde nur 100.000 Bit, dann bedeutet das: mit den Augen können wir 10 mal soviel wahrnehmen. Die meisten Eindrücke nehmen wir jedoch unbewusst auf und verarbeiten sie ebenfalls unbewusst. Hier lohnt es sicherlich, bewusst beide Eindrücke in Gesprächen aufzunehmen, zu vergleichen und ebenfalls bewusst zu verarbeiten.
"Deine Miene spricht aus, was auch immer du verheimlichst"
Seneca (4 – 65 n. Chr.)
"Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare"
Christian Morgenstern (1871 – 1914)
"Beredsamkeit beruht nicht nur auf der Wahl der Worte, sondern ebenso auf dem Ton, dem Blick und dem Mienenspiel."
Francois de La Rochefoucauld (französischer Schriftsteller - 1613 - 1680)