Die Kräuter sind unsere ältesten Gartenpflanzen. Schon in sehr alten Werken wie der 'Materia medica' des Dioskurides im 1. Jahrhundert nach Christi werden sie beschrieben. Es ist schwierig, die Kräuter in den alten Werken zu identifizieren, weil es sehr viele unterschiedliche Bezeichnungen gibt, teilweise volkssprachliche Begriffe oder auch lateinische und griechische.
Viele Kräuter eignen sich sehr gut, um daraus Tee zu machen, man kann sich selbst Mischungen herstellen, in getrockneter Form kann man diese auch aufheben. Dabei ist eine gewissen Vorsicht nötig, nicht alle Kräuter eignen sich dafür und bei einigen kommt es auf die Menge an. Schon Paracelsus äusserte sich dahingehend, das erst die Dosis das Gift mache. Mitunter können durch Kräuter auch allergische Reaktionen hervorgerufen werden.
Kräuter sind sehr vielseitige Pflanzen, sowohl als Einzelpflanzen im Garten, in Kräuter- oder Duftkräutergärten, als Duftrasen, Duftteppich oder Dufthecke wirken sie durch ihre vielen verschiedenen Farben und Formen sehr ansprechend. Sie sehen schön aus, duften, finden in der Küche, in der Medizin, Kosmetik, Parfums oder Potpourris Einsatz. In Binningen gibt es einen Duftkräuter-Schaugarten, der 5.000 Quadratmeter gross ist. Ein Beispiel für Duftkräuter ist die Eberraute (Artemisia abrotanum). Der Duft wird als 'erfrischend und zitronenartig' beschrieben, ich finde jedoch, er riecht eindeutig nach Cola, besonders, wenn man die Blätter zwischen den Fingern zerreibt. Die Pflanze ist winterhart und sehr genügsam. Die Potpourris entstanden übrigens im 16. Jahrhundert in England. Für diese Duftmischungen eignen sich sehr gut Iriswurzeln, Lemongras, Kamillenblüten, Lavendelblüten, Zimt, Orangenschale, Zimt, Ingwer und Gewürznelken.
Heute wird pflanzlichen Wirkstoffen wieder mehr Bedeutung zugemessen, zeitweise waren sie durch die chemischen Mittel fast völlig verdrängt.
Wie im Mittelalter mit Kräutern umgegangen wurde, beispielsweise die Herstellung von Salben, wird heute teilweise auf Mittelaltermärkten gezeigt, auch Seminare werden angeboten. Im Mittelalter waren die Kräuter der zentrale Punkt der Medizin / Heilkunde. Auch in der deutschsprachigen Dichtung des Hochmittelalters sind viele Kräuter beschrieben.
Besondere Bedeutung kam den Klöstern zu, bis ins 12. Jahrhundert. Dann wurde den Mönchen die medizinische Tätigkeit durch Reformen innerhalb der Kirche untersagt. Erwähnenswert ist sicher das Standardwerk der Kräuterheilkunde im Mittelalter, nämlich 'Macer floridus' aus dem 11. Jahrhundert. Der Mönch Odo Magdunensis beschreibt darin die Wirkungsweise von über 70 Pflanzen.
Das Buch 'The Wisdom of Nature' von Werner Telesko beispielsweise beschreibt die Kosmetik im Mittelalter, die Kraft und Symbolik der Pflanzen und Tiere und befasst sich auch mit Symboltieren wie etwa der Schlange.
Die Eberraute. Ganz wichtig: Die Eberraute ist nicht zum Verzehr geeignet, sie ist giftig. Nutzen kann man sie als Deko oder getrocknet in Schränken, um Motten fernzuhalten.
Im Zusammenhang mit Kräutern sind natürlich auch die sogenannten 'Kräuterfrauen' zu nennen, die oft auch als Hexen bezeichnet wurden. Sie kannten sich mit Kräutern und deren Wirkungsweisen aus und oftmals konnten sie lesen und schreiben. Vieles, was als Zauberei gedeutet wurde, kann auch einfach daraus entstanden sein, das sie wussten, das die Psyche sich auf den Körper auswirken kann – und somit Behandlungen mit 'Hokuspokus' untermalten. Begriffe für 'Hexe' oder ähnliches finden sich auch in anderen Sprachen, zum Beispiel 'Cailleach' (irisch), Draìodòir mnà (irisch, zu übersetzen mit Frauen, die Druidenzaber ausüben), Xorguina (spanisch) oder Maga (Zauberin, lateinisch), Malefica (Schadenszauberin), Herberia (Kräuterfrau). Die Liste könnte man unendlich fortsetzen, es gibt wahnsinnig viele Bezeichnungen dieser Art, in verschiedenen Sprachen, Dialekten und aus den unterschiedlichsten Zeiten.
Hexen wurden zuerst als 'weise Frauen' wegen ihrer Fähigkeiten und ihres Wissens (beispielsweise Lesen und Schreiben) sehr geschätzt. Durch die Kirche entstand dann die Hexenverfolgung, die schliesslich im 14. Jahrhundert zum Hexenwahn wurde, unglaublich viele Frauen landeten auf dem Scheiterhaufen. Hauptverantwortlich dafür soll sie Schrift des Inquisitors H. Institoris sein. Bei der Abschaffung der Hexenprozesse spielte wieder eine Schrift eine wichtige Rolle, nämlich die Streitschrift 'Cautio criminalis' von Friedrich Spee von Langenfeld.
Sowohl in religiösen Zeremonien als auch im Aberglauben kommen sehr oft Kräuter vor. Ein Punkt, der den Kräutern immer wieder nachgesagt wurde, war das sie den Alterungsprozess aufhalten könnten. Ein Thema, das die Menschen wohl schon immer und überall auf der Welt beschäftigt hat. Es gibt ein 3.500 Jahre altes ägyptisches Rezept, dessen Gebrauch 'die Vewandlung eines alten Mannes in einen Jüngling' verspricht. Inhaltsstoff dieses Rezeptes ist der Bockshornklee. Samen dieser Pflanze fanden sich auch in Keramikteilen aus der Zeit etwa 2.000 Jahre vor Christi, die man in Ägypten fand.